Vette Scabre

Auf die Rauen Köpfe

Vette Scabre (1787m)

Donnerstag, 24. September 2020

Die Vette Scabre (Raue Köpfe) sind der breite latschenüberwucherte Bergzug zwischen der Hochstelle (Cima delle Cenge) und dem Raibler See (Lago di Predil). Die meisten von uns sind wohl schon unzählige Male daran vorbeigefahren ohne ihnen auch nur die geringste Beachtung zu schenken, dabei handelt es sich bei den Rauen Köpfen mit der Höhenangabe 1.787 m um einen Berg mit einer fantastischen Fernsicht! Diese und auch die strategische Position an der seinerzeitigen Front veranlasste die österreiche Armee bereits zu Beginn des Ersten Weltkrieges den Gipfel zunächst als Beobachterposten und später dann als Artelleriestützpunkt auszubauen.

Aufstieg

Wir starten vom Fort am Raibler See und steigen den unmarkierten aber stets gut erkennbaren Steig rechts des Aiblbaches (Canale della Malga) hoch, bis wir auf rund 1.450 m auf eine Quellfassung beim Bach stoßen. Hier wird auf die andere Seite des Aiblbaches gewechselt und bis zum Geröllfeld (Kote 1631m) entlang dem Steig aufgestiegen. Die linke Rinne, die von der Ferne nicht besonders einladend wirkt, ist der weitere Aufstiegsweg.

Beim Rinneneingang treffen wir bald auch auf die ersten „Sicherungen“. Die alten Stifte und Seile an einem Felsturm empfinden wir eher als Orientierungspunkte als Sicherungsmöglichkeit. Danach wird es gerölliger, und stoßen wir auch auf Reste von alten Holzleitern. Die Soldaten seinerzeit mussten sich vermutlich nicht so durch den Schotter wühlen wie wir…

Nach einigen Metern entdecken wir eine relativ neue Reepschnur, mit welcher ein kurzer Rinnenaufschwung gesichert wurde. Oben leitet dann ein wiederum versicherter Quergang zurück in Schlucht, die auch im oberen Bereich umsichtiges Steigen verlangt.

In der Ausstiegsscharte treffen wir auf eine erste Stellung, von wo aus die Rinne und auch das gegenüberliegende Seebachtal beobachtet werden konnte. Interessantes Detail – die im Gebäude integrierte Regenrinne! Von der Scharte steigt man schließlich nach links (Osten) durch Latschen auf den großen Gipfelbereich hoch.

Gipfel

Der latschenbewachsene Gipfel wurde, wie bereits eingangs erwähnt, als Beobachterposten und Artelleriestützpunkt ausgebaut und trifft man hier auf die Überbleibsel (sofern man sie in den Latschen findet). 50 Mann waren hier stationiert und wurden die Vette Scabre mit 2 x 12 cm belg. Kanonen und einem 1 x 7,5 cm Luftabwehrgeschütz bewehrt. Beim „Hauptgebäude“ östlich des Gipfels wurden zahlreiche Granatsplitter und Metallreste zusammengetragen und soll sich in einem Gebäude auch noch eine Offiziersbadewanne befinden, die wir allerdings nicht gefunden haben. Die Versorgung erfolgte über einen Schrägaufzug, dessen Reste auch noch zu finden sind. Näheres weiter unten im Gastbeitrag von Dr. Karl Pallasmann.

Abstieg

Vorsichtig steigen wir die Geröllrinne wieder bis zur Kote 1631 ab und queren den unmarkierten Steig nach Norden zur Kote 1620, wo wir unter der Hochstellenscharte auf den Weg CAI656 treffen. In diesem Bereich hat sich früher einmal das Raibler Aibl befunden, es dürfte eine malerische Alm gewesen sein. Geblieben ist allerdings nur noch der Name in einigen Karten und die Bezeichnung „Aiblbach“.

Gemütlich steigen wir schließlich den breiten Weg bis auf rund 1.300 m ab, queren zurück zum Aufstiegsweg und gelangen so in Kürze zurück zum Raibler See.

Übersichtsbild

Blick vom Predilkopf

Karte von 1907

Gastbeitrag von Dr. Karl Pallasmann

Nur der italienische Führer über die Julischen Alpen von G. Buscaini, 1974 erwähnt die Rauhen Köpfe. In der deutschsprachigen Alpinliteratur kommen sie nicht vor.

Die höchste Erhebung mit 1787 m ist umgeben von tiefer liegenden, latschenüberzogenen Kuppen. Die Südflanke fällt Richtung Raibler See ab und im Norden erheben sich die Spitzen der Weibeln.

Bedeutung erlangte dieser Berg erst 1914, als einer der Beobachtungspunkte in der Linie der Kärntner Sperren. Vor allem der Bereich um den Hauptgipfel wurde nun mit militärischen Einrichtungen zu einem Bollwerk ausgebaut.

Erreichbar war diese Bergfortifikation für schwere Transporte über eine Strasse von Raibl und über einen Fußweg vom Raibler Seefort. Vom Ende der Raiblerstrasse, auf dem Raibler Aibl auf ca 1500 m, führte ein Schrägaufzug auf den Gipfel (nur auf dem Sabotin und der Köderhöhe gab es solche Aufzüge). Ein Fußweg (tw. noch mit den alten Sicherungen versehen)  führt durch eine sich verengende, von Felsen durchsetzte Schotterrinne Richtung Gipfel. Am Ende dieser Rinne überwacht ein Bunker diesen Anstieg und die vom Westen heraufführende Steilrinne. Nun erreicht man in wenigen Minuten den Gipfelkamm und die dahinter liegenden Anlagen. Am auffallendsten ist das – da es als einziges aus dem Latschenmeer herausragt – Blockhaus (inklusive einer Badewanne). Die Außenwand ziert die Inschrift „Erbaut im Jahre 1914, Ausführung Fort-Werkmeister P.Wurzer, K.uK. Geniedirektion Klagenfurt“.

Vor diesem „Fort“ stand knapp unter der Gipfelkante das erste 12 cm Geschütz (M 1889). Noch sind die Befestigungsschrauben, die Reste des Holzbodens und die Unterstandskaverne sichtbar. Wendet man sich Richtung Osten und wühlt sich durch die Latschen steht man vor einem noch gut erhaltenen Herd und weiter nördlich davon findet man die Bergstation des Schrägaufzuges. Noch weiter östlich im Latschenwald befindet sich die  Plattform mit Befestigungsringen für das zweite 12 cm Geschütz. Weiter dahinter liegt die gut erhaltene Unterstandkaverne.

Kehren wir zum ersten 12 cm Geschützplatz zurück und wenden uns Richtung Süden zum Blockhaus. Zwischen diesem und dem zweiten Geschütz befanden sich mehrere Plateaus für Baracken und Kavernen. Sie aufzusuchen bedeutet mühsames Durchkämpfen. Südlich hinter dem Blockhaus befindet sich unter einer Gewehrgalerie ein nicht eindeutig identifizierbares Bauwerk mit gewölbtem Dach, daneben eine Unterstandskaverne. Ca 50 m entfernt, etwas tiefer, findet sich der betonierte Sockel für das 7,5 cm Luftabwehrgeschütz.

Wendet man sich nun nach Westen stößt man auf den Beobachter mit gedeckten – nun verfallenen – Zugängen. Von hier ist der Blick über den See und auf den Predilsattel einzigartig. Das knapp unter dem Predilpaß liegende Fort „Batterie Predilsattel“, das allein vom Kriegsbeginn Ende Mai 1915 bis zum Ende August 1915 1500 Schuß abbekam, imponiert noch immer. Natürlich denkt man auch an 1809, als dieser Paß nach mehrtägigem Kampf und Fall des Ft. Hermann von den Franzosen überschritten wurde. Der Blick schweift weiter zum befestigten Grüngraben und weiter zum Gamswurzrücken mit seiner – Gott sei Dank nie benötigten – Auffanglinie. Lenkt man seine Schritte nun weiter Richtung Westen und Richtung Aufstieg findet man beeindruckende Befestigungen. Mit Erreichen des Bunkers hat man die Runde beendet und wendet sich dem Abstieg zu.

Dr. Karl Pallasmann hat sich dankenswerterweise bereit erklärt Fotos aus seinem privaten Archiv und diesen Bericht zu Verfügung zu stellen.

GPS Track

Gesamtstrecke: 6774 m
Maximale Höhe: 1804 m
Minimale Höhe: 1034 m
Gesamtanstieg: 791 m
Gesamtabstieg: -762 m

Galerie

Fotos von Dr. Karl Pallasmann