Wischberg

Nordostschlucht

Wischberg Nordostschlucht (2666m)

Samstag, 29. Juni 2019

Die Wischberg Nordostschlucht (Gola Nord Est), welche im Jahre 1901 von Julius Kugy mit Bolaffio, Komac und Oitzinger erstbestiegen wurde, ist im ersten Weltkrieg zum Versorgungsweg für die Wischbergfront ausgebaut worden. Während die Erstbesteiger für die Überwindung der beiden Steilaufschwünge noch zu dritt einen „Steigbaum“, also eine sogenannte „Räuberleiter“ bilden mussten, sind diese Stellen heute gut mit Seil und Steigbügeln versichert und stellen keine allzu große Herausforderung mehr dar. Die Wischberg Nordostschlucht, die wir im März 2019 mit den Skiern abgefahren sind, stellt auch im Sommer ein lohnendes, alpines Erlebnis dar! Die Route selbst ist zwar durchwegs markiert und wurde auch vor einigen Jahren neu versichert, sollte jedoch aufgrund der Länge und des anspruchsvollen Geländes nicht unterschätzt werden.

Aufstieg

Wir starten frühmorgens in der Saisera am Parkplatz im Bereich des Agriturismo Prati Oitzinger und steigen entlang dem Weg CAI616 zur Pellarinihütte (Rifugio Pellarini) auf. Dort können wir den weiteren Aufstiegsweg im sonnenbeschienen Wischbergmassiv schon ausmachen. Wir folgen den Weg CAI616 weiter in Richtung Naboisscharte (Sella Nabois) bis wir auf eine Abzweigung stoßen und nach links abbiegen. Über Geröll führt dieses Steiglein zum Einstieg, wo sich bis spät in den Sommer hinein ein Schneefeld halten kann. Ein schottriges Band am Fuße des Piccolo Jôf, des Kleinen Wischbergs, leitet vorbei an einer markanten Lärche nach Osten wo man auf den Einstieg trifft.

Ein versicherter Kamin mit Holzstufen wird zunächst genussvoll empor geklettert, dann wird es in einer Art Geröllrinne wieder kurz schottriger. Vom Kleinen Wischberg folgt ein Quergang in die eigentliche Wischberg Nordostschlucht. Diese wird in schönem Gelände mit einigen leichten Kletterstellen und zwei versicherten, schwierigeren Stellen für gut 150 Höhenmeter durchstiegen, bis ein schon von weitem sichtbarer, eindeutiger Überhang uns am Weiterkommen hindert. Dieser Felsabbruch ist auch im Winter die Schlüsselstelle, an welcher abgeseilt werden muss.

Über ein Schotterfeld queren wir hingegen einfach nach Osten und steigen eine Art Rampe hoch. Ständig haben wir zu unserer Rechten den schaurigen Schluchtgrund vor Augen, in welchen der Weg in weiterer Folge auf Höhe des Götterbandes wieder zurückführt. Hier begutachten wir die Abseilstelle und verlassen die Schlucht nach Westen auf einem einfachen Weg. Über Felsstufen, schottrige und grasige Passagen werden die letzten gut 300 Höhenmeter rechts der eigentlichen Schlucht absolviert und stößt man kurz unter dem Gipfel wieder auf den Normalweg.

Abstieg

Der wohl kürzeste Abstiegsweg wäre wohl wieder die Nordostschlucht, der bequemste der Abstieg über die Corsihütte ins Seebachtal, wofür man aber ein zweites Auto dort benötigt. Auch denkbar wäre ein (wohl recht langer) Abstieg über die Bärenlahnscharte in die Spranje. Wir entscheiden uns jedoch für den Abstieg entlang des Normalweges zum Anita-Goitan Steig, welcher höchst aussichtsreich über Bänder zur Kaltwasserscharte führt. Der direkte Abstieg von der Kaltwasserscharte ins Kaltwassertal wurde schon vor einigen Jahren in eine Schlucht weiter östlich verlegt, da die Hauptschlucht äußert bröselig ist.

Wir steigen dennoch den kürzesten Weg ab, was ich allerdings nicht empfehlen kann. Über brüchiges, schottriges und steiles Rinnengelände steigen wir entlang von zerstörten Sicherungen und einer verbogenen, zu kurzen Leiter ins Kaltwassertal ab. Entlang dem Weg CAI627 geht es auf die Carnizzascharte (Sella Carnizza) zurück zur Pellarinihütte und in die Saisera.

GPS Track

Gesamtstrecke: 18939 m
Maximale Höhe: 2645 m
Minimale Höhe: 875 m
Gesamtanstieg: 1794 m
Gesamtabstieg: -1847 m
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